Ein Vortrag der Marxistischen Gruppe an der Universität Mainz hat Walter Patt angeregt, Karl Helds Buch »Die Psychologie des bürgerlichen Individuums« (München 1981) zu lesen, und heute berichtet er Ernst Jünger von seiner Lektüre.
Jünger notiert in sein Tagebuch unter dem 12. Februar 1981, daß die Marxistische Gruppe eine »neo-marxistische Studentenverbindung« sei, die »sich von unmittelbaren Aktionen freihält« und lediglich »Bewußtseinsarbeit« leiste. In dem Buch »Die Psychologie des bürgerlichen Individuums« werde, so habe ihm Patt geschrieben, eine »treffende Kritik am Selbstmord« geübt.
Jünger schreibt eine zentrale Passage des MG-Textes in sein Tagebuch: »Der Selbstmordkandidat befindet sein höchstpersönliches moralisches Lebensprogramm, in dem allein er sich selbst gefallen will, für gescheitert und fortan undurchführbar – aber ohne auch nur im geringsten an den Kriterien irre zu werden, als deren Charaktermaske er einzig und allein sich selbst gelten lassen und sogar überhaupt leben will.«
Hmm, »stilistisch nicht eben geglückt« sei das, kritisiert Jünger. Aber es sei ein »doch zu unterstreichendes Urteil; es entspricht der Verfügungsgewalt, die ich dem Anarchen zubillige.« Der Anarch ist für Jünger die positive Entsprechung zum rein »negativen« Anarchisten. Der Anarch ist ein unabhängiger Mensch, der »eine neue Konzeption der Freiheit« verfolge, jemand, der sich sein Leben nicht vorschreiben lasse. Und da könne der Suizid durchaus der sinnvolle Endpunkt einer aktiven Lebensgestaltung sein, wenn der Mensch sich »der unmöglich gewordenen Existenz« gewiß sei (Ernst Jünger: »Über die Linie«, 1951).
70 Jahre Oktoberrevolution und was man heute noch aus den Fehlern der KPdSU lernen kann.
Täglich melden sich Menschenfreunde zu Wort - mit dem überzeugenden Argument ihrer amtlichen, kirchlichen oder persönlichen Autorität im Rücken -, die zu Rücksichtnahme auf Alte, Ausländer, Krüppel, ledige Mütter und Aids-Kranke auffordern. Die Liste, die da zusammenkommt, haben die an ihre Vergeßlichkeit erinnerten Mitbürger merkwürdigerweise dauernd im Kopf: In den Figuren, die der Toleranz anheimgestellt werden, erkennen brave Deutsche alle die wieder, bei denen sie ein erlaubtes Recht auf herzliche Verachtung und grundsätzliche Mißbilligung haben. Der Personenkreis, der zum Prüfstein dafür erhoben wird, wie ernst wir es mit der menschlichen Qualität unserer Gesellschaft meinen, macht offenbar Erfahrungen, die mit Intoleranz nur matt umschrieben sind. Wo dagegen auch einmal das Wort fällt ‚Auch Türken sind Menschen’ und eine Spende abgeliefert wird, da sind Verachtung und gutes Gewissen eine innige Gemeinschaft eingegangen.
MSZ 1987 Ausgabe 10: Toleranz
Vortrag: Die Kritik der Toleranz
Toleranz
Kritik - Wie geht das?
Das Anliegen
Es hat einmal eine Arbeiterbewegung gegeben. Proletarier kämpften um ihren Lebensunterhalt und hatten in der Kapitalistenklasse ihren Gegner. Ihre Kämpfe waren ganz selbstverständlich der Bezugspunkt aller kritischen Geister, die an Staat und Gesellschaft etwas auszusetzen hatten; sie waren eben der „Träger des Fortschritts”, der die „Neue Zeit” herbeiführt und gestaltet. Schon gleich die Intellektuellen, Marx und Engels und ihre Gegner, richteten sich an diese Bewegung und hatten in ihrer Wirkung auf sie das praktische Ziel ihrer theoretischen Tätigkeit. Schließlich hing davon, wie die Arbeiterschaft sich die verschiedenen Formen ihres Elends erklärt, ab, was sie zu dessen Überwindung nötig und zweckmäßig finden würde. Die einen führten Hunger, Frauen- und Kinderarbeit, ungesunde Wohnverhältnisse, Ausschluss von Bildung, Not im Fall von Alter, Krankheit und Arbeitslosigkeit auf das Lohnarbeitsverhältnis als den Grund dieser Übel zurück, andere machten die mangelnde Repräsentation der Arbeiterschaft im Staat dafür verantwortlich; entsprechend fochten die Fraktionen den Streit um „Reform oder Revolution” aus. Das ist lange vorbei. Heute ist allgemein und auch von den Lohnabhängigen anerkannt, dass ein sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplatz das Höchste ist, worauf der moderne Mensch hoffen darf – schließlich gibt es nicht wenige, denen dieses Privileg versagt bleibt und dass kritikwürdige Zustände erst jenseits des tarifvertraglich geregelten Verhältnisses von Lohnarbeit und Kapital beginnen: bei Langzeit-Arbeitslosen in Hartz-IV etwa, im Bereich extremer Niedriglöhne, bei Migranten und Marginalisierten; jedenfalls nicht mehr beim Proletariat, sondern beim Prekariat.
Leute, die sich auch heute noch über soziale und andere Missstände empören, suchen und finden in diesen keinen gemeinsamen Nenner mehr; oder eben den. Missstände zu sein, Fälle von Versagen der Verantwortlichen vor ihren Aufgaben, von Ignoranz gegenüber den Folgen politischen Handelns oder generell von einem Mangel an Menschlichkeit. Derart Empörte brauchen keine Theorie. Was gut und was schlecht ist, sagt ihnen ihr Gerechtigkeitssinn, und dem muss jeder zustimmen, der das Herz am rechten Fleck hat. Ihr kritischer Standpunkt hat nichts zu tun mit der Durchführung irgendeiner Kritik. Sie engagieren sich praktisch für das Gute, indem sie demonstrativ Forderungen an die zuständigen Stellen richten oder gleich selbst mit Spenden, diversen sozialen Projekten und „Tafeln” die Welt verbessern. Theorie gilt in diesen Kreisen im besten Fall als Zeitverschwendung, im Normalfall als Ablenkung und Verhinderung der Tat, deren Dringlichkeit angesichts himmelschreiender Missstände doch außer Frage steht.
Auf derartige Protestinitiativen und deren moralische Selbstgenügsamkeit und Theoriefeindlichkeit bezieht sich die Ums-Ganze-Mannschaft mit der Botschaft, dass ein punktueller Verbesserungswille, der sich nicht um die Ursachen kümmert, aus denen die beklagten Missstände hervorgehen, blind ist und folgenlos bleibt: „Bewegung braucht Theorie!”; eine eben, die nachweist, dass dir vielen Missstände kein Zufall sind, sondern System habendem es um ihre Beseitigung zu tun ist, dem muss es „ums Ganze” gehen, „um die Kritik gesellschaftlicber Herrschaft als ganzer” (7; dieses und die folgenden Zitate mit Seitenangabe aus der Broschüre), denn:
”Andernfalls verliert sich Politik in naivem Aktionismus. Wer sich mir um vermeintlich konkrete Problemlagen kümmern will, verfehlt meist deren Entstehungszusammenhang in der staatlich vermittelten kapitalistischen Konkurrenz. In herrschaftskritischer Perspektive sind meist sämtliche Alternativen pragmatischer Politik gleicher maßen falsch.” (18)
Mit diesem Argument versucht das Bündnis kritische Aktivitäten anderer zu radikalisieren und sie für eine umfassende Absage an den Kapitalismus zu gewinnen; dem, was es Reformismus nennt, setzt es „die Überwindung von Staat und Kapital” (8) entgegen.
Die große Entdeckung:
Das kapitalistische System ist „ein System”, sein Inhalt „Zwang”
Ohne Parteilichkeit für Staat und Nation läuft der demokratisch regierte Kapitalismus hierzulande nicht so rund, wie das leider der Fall ist. Zudem stellt er die Gesinnungsgrundlage dar, auf dem in der Demokratie immer wieder rechtsextreme und neofaschistische Gruppierungen entstehen. Zum anderen aber stört mich am Antifaschismus von Linken, dass sie gerade darin eine implizite Parteinahme für die hiesige Gesellschaft ist. Die wird explizit, wo die Demokratie zum kleineren Übel und ein Faschismus zum Gipfel der Barbarei erklärt wird. Dieser falsche Vergleich ärgert mich schon sehr. Erstens weil Demokratie und Faschismus zwei Varianten derselben, nämlich bürgerlicher Herrschaft sind, zweitens weil der Faschismus nicht erfasst ist, schon gar nicht der Neofaschismus, wenn er nur auf Holocaust und Welteroberungspläne reduziert wird, und drittens weil sich diese Linken schon sehr mit den kapitalistischen Verhältnissen arrangiert haben müssen, wenn sie das real existierende „Übel“ der Erfindung einer drohenden Machtübernahme durch einen Neofaschismus mit erfundenem Programm vorziehen.
Die meisten Leute, die sich heute über soziale und andere Missstände empören, suchen und finden in diesen als gemeinsamen Nenner nur den, eben Missstände zu sein, Fälle von Versagen der Verantwortlichen vor ihren Aufgaben oder generell von einem Mangel an Menschlichkeit. Derart Empörte brauchen keine Theorie. Auf solche Protestinitiativen, deren moralische Selbstgenügsamkeit und Theoriefeindlichkeit bezieht sich die Ums-Ganze-Mannschaft mit der Botschaft, dass ein Verbesserungswille, der sich nicht um die systemischen Ursachen der Missstände kümmert, blind und folgenlos bleibt: „Bewegung braucht Theorie!“; wem es um Beseitigung der Missstände zu tun ist, dem muss es „ums Ganze“ gehen, „um die Kritik gesellschaftlicher Herrschaft als ganzer“. Was sie in diesem Sinne an Aufklärung über das kapitalistische System in ihrer Broschüre anbieten, besteht dann allerdings im Wesentlichen in der variantenreich wiederholten Feststellung, dass es sich um „ein System“ handelt; dessen Inhalt erschöpft sich in einem systematischen „Zwang“, dem alle Insassen der Klassengesellschaft gleichermaßen unterliegt und den sie sich zugleich zu eigen macht, weil die ihm Unterworfenen den Zwang für das glatte Gegenteil halten, also dem „Schein von Freiheit“ aufsitzen: Proletarier, Kapitalisten, Staatsagenturen, alle laborieren an dem höchst immateriellen und subjektlosen Umstand einer „Herrschaft der falschen Freiheit“. Agitation ist damit von der Kritik des Klassengegensatzes und vom Standpunkt des beschädigten materiellen Interesses der einen gesäubert. Sie landet prompt bei Phrasen der Art: „Der Austritt der Menschen aus ihrer selbst geschaffenen Unmündigkeit muss das Werk bewusster Individuen sein.“ Revolution geht keinesfalls bewusstlos! Wir dachten ja immer, die würde sich im Schlaf erledigen!
Eine ausführliche Kritik in diesem Heft.
- Das Anliegen
- Die große Entdeckung: Das kapitalistische System ist „ein System“, sein Inhalt „Zwang“
- Die Dämonisierung von „Systemzwang“ in fünf Schritten:
- Der Staat – ein Gefangener seiner eigenen herrschaftlichen Räson
- Die Kapitalisten – ökonomische Charaktermasken ohne ökonomischen Charakter
- Die Lohnabhängigen – vom revolutionären Subjekt zum „verstaatlichten Proletariat“ mutiert
- Alle Aktivisten der freien Konkurrenz zusammen – von der „falschen Freiheit“ um die wahre betrogen
- Der Nationalismus der Bürger – „System“, das seine Insassen auch noch zur Parteilichkeit zwingt
- Fazit
“Fast jede Auseinandersetzung über diese Gesellschaft, ihre Ökonomie, ihre Sozial- und Wirtschaftspolitik, Innen- und Außenpolitik läuft auf die gleiche Frage hinaus: Wie hältst du es denn mit der Demokratie?
Es gibt, das wird auch von den Verteidigern des Systems zugestanden, zwar hierzulande viel zu meckern und zu beschweren; aber der Verweis auf die Demokratie, der gilt als eine sichere Rückzugsbastion, vor der alle sonstigen Beschwerden klein werden. Gegen Demokratie gibt es kaum etwas Prinzipielles zu sagen. Da muss auch der Kritiker kapitulieren. Allenfalls will er ihr vorwerfen, dass sie noch nicht die wahre Demokratie, das Volk also noch nicht genug einbezogen ist. Aber auch diese Einschränkung des Lobs bestätigt nur, dass selbst den kritischsten Menschen Demokratie als ein Wert gilt, an der er die Freiheit zur Kritik schätzt.
Daher lautet das schlagendste Argument, das für die Demokratie aufgefahren wird: Wo darf man denn sonst schon seine Kritik so frei sagen?! Und: Welches System erlaubt seinen Bürgern schon so viele Freiheiten! Stimmt: Die reichen von der Meinungsfreiheit über die Versammlungsfreiheit bis hin zur Koalitionsfreiheit. Man darf zudem seine Religion frei ausüben und heiraten, wen man will; man darf einen Beruf nach eigener Wahl aussuchen und die Freizügigkeit auf dem hiesigen Territorium ist tatsächlich auch noch gestattet!
Aber spricht das eigentlich für die demokratische Form der Herrschaft, wenn sie – erstens – erlaubt, was doch ganz ohne staatliche Lizenz selbstverständlich sein sollte: Sich so seine Gedanken über die Welt machen, sich mit anderen privat oder politisch zusammenschließen, glauben, was man lustig ist und sich zwischen Bayrischem Wald und Ostfriesland frei bewegen! Und warum soll man – zweitens – einem System seinen Segen erteilen, nur weil es erlaubt, die Klagen zu äußern, für die die demokratisch regierte Gesellschaft offenkundig permanent Gründe liefert? Bemerkenswert zudem ist – drittens – dass ein ehemaliger Bundespräsident die Bürger mahnte, dass derjenige das Recht zur freien Meinung verwirkt, der es kritisiert! Selbstverständlich sind diese Freiheiten – viertens – also gerade nicht: Wenn es der Erlaubnis durch die staatliche Gewalt bedarf, dass man sagen darf, was einem durch den Kopf geht, dann steht fest, dass diese Freiheiten auch nur im Rahmen der hiesigen Rechtsordnung gelten und jede Erlaubnis zugleich mit einer staatlich verfügten Beschränkung einhergeht. Oder ist das alles ohnehin nur „falsche Freiheit“, wie einige linke Kritiker meinen?”
Freiheit: Was ist sie? Wozu taugt sie?
Jeder will sie, kaum einer kriegt sie:
Gerechtigkeit – was ist das?
Dr. Rolf Röhrig, GegenStandpunkt
Mittwoch 20. 3. 2013 um 19:00
Universität Wien (Hauptgebäude) Hs 33, Universitätsring 1, 1010 Wien
Wo immer heutzutage eine Kritik vorgetragen wird, ergeht sie im Namen der Gerechtigkeit, die man vermisst. Nicht wenige Arbeitnehmer finden die exorbitanten Managergehälter ungerecht. Die meisten Manager halten diese Beschwerde für ungerecht, weil sie doch ausweislich des Firmengewinns die wahren Leistungsträger seien, die einfach verdienen, was sie verdienen. Alte Leute halten die Rentenkürzungen durch die Regierung für eine Ungerechtigkeit, weil sie sich um den Ertrag ihrer Lebensleistung und ihre Beitragszahlungen betrogen sehen. Das Gros der Jungen hält die Kürzungen für ein Gebot der Gerechtigkeit, weil sie mit immer größeren Abzügen von ihrem Einkommen für den Lebensabend der Alten zur sozialstaatlichen Kasse gebeten werden.
Wenn dann Beschwerdeführer, die sich in ihren Interessen geschädigt sehen, praktisch tätig werden und sich einmal zu einer Forderung verstehen, ergeht diese wieder im Namen der Gerechtigkeit, die es durchzusetzen gilt. Die Kleinen werden für die Bewältigung der Finanzkrise kräftig zur Kasse gebeten, die Großen kommen glimpflich davon – so sieht es die Initiative von gewerkschaftlichen und linken Vereinen, die für UmFAIRteilung demonstrieren und eine faire, also gerechte Verteilung der Lasten auf Arme und Reiche einfordern. Ein Vorteil wird schon gar nicht mehr angestrebt, stattdessen feilschen solche Vorstöße um das rechte Maß des Schadens, den man hinzunehmen bereit ist. Gerechtigkeit scheint also höher zu stehen als die Befriedigung des Interesses selbst, wenn der eigene Schaden dadurch erträglich wird, dass die Belastung anderer ein Stück nach oben gefahren wird.
Es ist schon merkwürdig: Was für den einen gerecht, ist für den anderen ungerecht, und der Volksmund weiß, dass die Verwirklichung von Gerechtigkeit der Quadratur des Kreises gleichkommt: „Allen Menschen Recht getan, ist eine Kunst, die keiner kann.“ Alle wollen sie dasselbe, Gerechtigkeit, und doch liegen sie in einem unauflöslichen Streit darüber, worin der Inhalt der Gerechtigkeit besteht. Was macht Gerechtigkeit so flexibel, dass sie für alle, auch gegensätzliche Anliegen, als Legitimierung taugt? Und was macht sie so attraktiv, wenn doch alle nur im Streit darüber liegen, was gerecht sei?
So viel sei vorweg genommen: Man sollte seine Energie nicht auf die Frage verschwenden, wie man zu einer Gerechtigkeit findet, die allen frommt. Gerechtigkeit selbst ist nämlich ein Fehler, ein äußerst schädlicher dazu, von dem man besser die Finger lässt.
GegenStandpunkt erhältlich:
Lhotzkys Literaturbuffet, Taborstraße 28 (Eing. Rotensterngasse), 1020 Wien
Bartalsky, Währingerstraße 26, 1090 Wien
Südwind, Schwarzspanierstraße 15, 1090 Wien
Frick, Schulerstraße 1-3, 1010 Wien
Rupertus, Dreifaltigkeitsgasse 12, 5020 Salzburg
Wagnersche, Museumstraße 4, 6020 Innsbruck
Wagnersche, bei Thalia, Landstraße 41, 4020 Linz
GegenStandpunkt & Diskussion
Vom 22. bis 24. Februar 2013 findet der “Solidarische Ökonomie Kongress 2013” in Wien auf der Universität für Bodenkultur, Peter Jordan Str. 82, 1190 Wien statt.
Gegenargumente beteiligen sich daran mit folgenden Veranstaltungen:
Freitag, 22. Februar 18:00 Uhr:
“Das bedingungslose Grundeinkommen - Ein Rezept gegen die Übel des Kapitalismus?”
Samstag, 23. Februar 16:00Uhr:
“Falsche und richtige Lehren aus der Finanz- und Staatsschuldenkrise”
Die Finanzkrise, die Rettungspakete der Staaten und die drauf folgende Staatsschuldenkrise waren und sind einerseits ein Crash-Kurse in Sachen Kapitalismus.
Mit den Rettungspaketen haben die Staaten zu Protokoll gegeben, dass das ganze Leben einer Nation dem zu dienen hat und abhängig ist davon, dass sich in ihr das Geld vermehrt. Zentralinstanz dieser Geldvermehrung ist der Finanzsektor. Wenn die Geldvermehrungsmaschinerie des Finanzsektors nicht funktioniert, steht das gesamte ökonomische Leben der Nation auf dem Spiel – deswegen sind die Rettungspakete bzw. die dafür gemachten Schulden unabdingbar. Jetzt, wo sich die Finanzkrise zu einer Staatsschuldenkrise ausgewachsen hat, lernt die Menschheit die Verarmung nicht nur als eingetretene kennen, sie kommt als Anforderung daher, als groß angelegte politische Strategie. Die Staaten übertrumpfen sich darin, wer sein Volk ärmer machen und mehr Leistung aus ihm herauspressen kann.
Während die Bevölkerung auf dieses Verarmungsprogramm von Politik und Medien mit Argumenten wie
- Die Maßnahmen sind alternativlos!
- Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt! Usw.
eingeschworen wird, hält die Protestbewegung, die es dagegen gibt – Occupy-Wall Street, die Empörten, bei uns die Plattform „Wege aus der Krise“, „Attac“ – unverdrossen daran fest, all das nicht als Auskunft über den Kapitalismus fassen, sondern beklagt die massenweise persönlichen Krisen als Resultat einer schlechten Verwaltung des Kapitalismus und fordert die Politik auf, endlich die Krise zu bewältigen durch:
- eine gerechte Einkommens- und Vermögensverteilung,
- eine Abkehr von der Deregulierung der Finanzmärkte (Abkehr vom Neoliberalismus)
- Banken, die ihrer Aufgabe, der Realwirtschaft zu dienen, wieder nachkommen
- eine Abkehr vom Prinzip profit over people
Im Vortrag und der anschließenden Diskussion soll geklärt werden, was von den alternativen Krisenbewältigungsprogrammen zu halten ist, was man der Agitation von oben entnehmen kann und was man überhaupt aus der Krise und der Krisenpolitik der letzten Jahre über die Marktwirtschaft lernen kann.
Gegenargumente
Foucault ist kein bornierter Sinn-Prediger, sondern predigt die Bornierung auf Sinn als Methode und Prinzip des Denkens.
Dafür nimmt er den Blickwinkel eines notorischen Bibliothekengängers ein und diagnostiziert die Quintessenz aller Ideologiebildungen als Wahrheit über die Welt:
daß die sich nach theoretischen Abwägungen richtet und Resultat vernünftiger Erwägungen ist.
Hier spricht einer, der mit den Produktionen geistiger Anpassung so sehr d’accord ist, daß er deren abstrakten Nenner, die Lüge von der Übereinstimmung von Geist und Macht, unbesehen Glauben schenkt und ob dieser Anpassungsleistung des Geistes glatt auf den Wahn verfällt, die Übereinstimmung würde durch Anpassung der Macht an den Geist zustandekommen!
Donnerstag 31. 1. 2013 um 19:00 im Amerlinghaus, Stiftgasse 8, 1070 Wien
Während etliche Aufrufe gegen den WKR-Ball von der gerechten Sache felsenfest ausgehen und sich nur mehr der „Mobilisierung“ widmen, ohne die Bösigkeit der Burschen näher zu erläutern, versuchen sich andere an einer Begründung. (offensiv gegen rechts; Ums Ganze bzw. Autonome Antifa auf: http://antifaw.blogsport.de/2012/12/31/nowkr-13-den-wiener-akademikerball-unmoeglich-machen)
Die Vorwürfe kreisen um die Schlagworte „Rechtsextremismus“, „Rassismus“, „Faschismus“ und „Deutschnationalismus“, ergänzt um übertriebene „Männlichkeit“ und „Elitedenken“. Wie soll man denn das verstehen? Etwa so: Diese Burschen passen mit ihrem überkommenen Welt- und Gesellschaftsbild einfach nicht in „unsere“ heutige, demokratische, ausgesucht ausländer- und frauenfreundliche Umgebung, in der es eine „Elite“ fast nicht mehr gibt, was man auch daran erkennt, dass die sich intensiv um die „bildungsferne“ „Unterschicht“ kümmert?! Wirklich?
Bleibt die Geschichte mit dem „Faschismus“ bzw. „Antifaschismus“.
Die FPÖ fällt regelmäßig mit etwas abweichenden Äußerungen zur Vergangenheit auf. Anlässlich des „Internationalen Holocaust-Gedenktages“ am 27.1. beispielsweise melden sich SPÖ, ÖVP, Grüne etc. mit den üblichen Phrasen gegen das „Verharmlosen“ und das „Vergessen“ zu Wort. Die FPÖ tut das etwas anders: Dort sieht man sich bzw. den WKR-Ball als Opfer von „Hass und Intoleranz“ – solche Plattitüden gelten gemeinhin als irgendwie „antifaschistisch“ gemeinte Stellungnahmen, darauf versucht sich die FPÖ zu berufen – und dadurch das „Andenken an die Opfer des Nazi-Regimes“ „missbraucht“ (http://www.fpoe.at/news/detail/news/vilimsky-gruen-und-rot-nehmen/); ein Andenken, dessen Pflege bekanntlich ein Herzensbedürfnis freiheitlicher Gesinnung ist. Gegen die FPÖ insgesamt wird ab und an der Vorwurf erhoben, sie verweigere sich einem „antifaschistischen Grundkonsens“, auf dem die Republik Österreich angeblich basiert. Das stimmt auch, die FPÖ reklamiert „Antifaschismus“ in der Tat nicht für sich und hält nichts von einem derartigen „Grundkonsens“, der sei nicht „identitätsstiftend“ und tauche ohnehin „erst 1983“ in Österreich auf, so der dritte Nationalratspräsident und Burschenschafter Martin Graf, FPÖ. Ein früherer FPÖ-Generalsekretär hat ein ganzes Buch gegen den von ihm so genannten „Antifa-Komplex“ geschrieben.
Die Linken verwechseln diese rechte Distanz zu einem staats-offiziösen Pseudo-„Anti-Faschismus“ als Teil der Österreich-Inszenierung – was mit einer Kritik des Faschismus nichts zu tun hat und als „Erinnerungskultur“ oder als „Gedenkpolitik“ oder als „Aufarbeitung“ oder als „Vergangenheitsbewältigung“ viel besser charakterisiert ist – mit versuchter Wiederbetätigung und halten die Selbst-Feier dieser Burschen in einem repräsentativen Palast der Republik nicht aus. Nachdem – für viele Linke unverständlich – die Behörden nicht dagegen einschreiten, glauben sie das selbst erledigen zu müssen, und wundern sich auch noch, dass ihre intendierte Amtshilfe so gar nicht angenommen wird.
Aus dem MSZ-Archiv: http://msz1974-80.net/Sprueche.html
„Für wen wird die UZ gemacht? Für den Stahlarbeiter, der wissen will, wie die Bosse sich dumm und dämlich verdienen.“
(UZ-Eigenanzeige)
Kleider machen Leute
„Schließlich war die sektiererische Hysterie soweit vorangeschritten, daß ein 50jähriger Stahlarbeiter aus Bochum, Sympathisant unserer Partei, angegriffen wurde. Funktionäre der KPD/ML hatten aus der Tatsache, daß der Genosse zur Feier des 1. Mal seinen besten Anzug angezogen hatte, den Schluß gezogen, es könne sich nur um einen Polizeispitzel handeln.“
(aus: Rote Fahne, Nr. 18/1975 S. 3)
„Es ist schon eine Geschmacklosigkeit, … wenn eben diese Partei, die sich ,KPD‘ nennt … als WahIkandidaten … das Hasch-Kommune-Mitglied Nr. 1 Konzelmann vorsetzt … Jenen Typ, der noch vor wenigen Jahren … sein Nacktkonterfei bürgerlichen Zeitungen für DM verkaufte.“
(aus Roter Morgen Nr. 17/1975, Beilage zum 1. Mai)
Quo vadis MSB?
„Den richtigen Weg zeigten uns 200 Studenten, die spontan … einen Protestzug zum Rektorat durchführten und die Herren zur Rede stellten. Diesen Weg gilt es weiterzugehen – dazu gibt es keine Alternative!“
(MSB-Flugblatt zu einem Polizeieinsatz an der Uni München am 1.6. 75)
Gemeinheit
„Als wir ihnen durch unser entschlossenes und kämpferisches Auftreten entgegentraten, griffen sie uns von hinten an!“
(KSV-Flugblatt zu einem Polizeieinsatz an der Uni München am 1.6. 75)
Jeder für sich und Gott gegen alle
„Karl Marx entdeckte: Die Menschen müssen vor allen Dingen zuerst essen, trinken, wohnen und sich kleiden, ehe sie Wissenschaften, Kunst, Religion treiben können.“ „Und sein Gesetz ist so klar, daß sich ihm auf die Dauer niemand entziehen kann.“
„Sicher, der Einfluß der Herrschenden auf den Gang der Geschichte war nicht gering … Und ging etwas schief, so war da immer noch ein lieber Gott erdacht, auf den man alles schieben konnte.“
(aus: „UZchen, Kinderseite der UZ vom 12. 9. 1915)
Sozialistische Freizeitgestaltung?
„Im neuen Verbundfahrplan des MVV (Münchner Verkehrsverbund) ist eine Seite »Verkehrsverbindungen zu Erholungsgebieten in der Region«. Dort werden zwar alle großen Klöster mit bekanntem Gerstensaft angegeben, ein Hinweis auf das KZ Dachau fehlt.“
(aus: Offensiv, Zeitung des SHB München, Nr. 13/1915/ S. 6)
Was lang gerecht, wird endlich wahr!
„Die Arbeiterklasse muß für ihre berechtigten Forderungen langfristig kämpfen. So wurde auch der 8-Stunden-Tag nicht von heute auf morgen eingeführt und manche Forderungen sind bis heute nicht erfüllt worden, so z. B. der Sozialismus.“
(Ein Sprecher des MSB Spartakus auf einer „Studentenschaftsvollversammlung“ an der Uni München am 25. 11. 1975.)
Die DKP und das Wort
„Deshalb sind mehr als nur Worte notwendig.“
„Antifaschistischer Widerstand und Solidarität werden umso wirksamer, je entschiedener sich die Arbeiterschaft zu Wort meldet.“
(aus: Flugblatt des DKP-Bezirksvorstandes Hessen, Oktober 1975)
Eine kühne Utopie
„Die Diktatur des Proletariats ist die Selbstverwaltung der Arbeitslosenversicherung durch die Arbeiterklasse.“
(KBM-Sprecher auf dem Krisen-Teach-In in der MG Würzburg. Dezember 1975)
Finger aus dem proletarischen Kochtopf!
„Das war letztes Jahr noch ein … wohlschmeckend nahrhaftes Essen … Nun, da die Kartoffel bei fünf Pfund über drei Mark kosten … essen wir das nur noch sonntags. An diesem Beispiel kann man leicht erkennen, wie die Kapitalistenklasse den Werktätigen bis in den Kochtopf packt, wie sie außerdem verhindert, daß wir traditionelle Gerichte essen können. Sie werden sich ihre gierigen Finger aber schon verbrennen, weil bei uns nämlich auf Feuer gekocht wird.“
(aus: Roter Morgen Nr. 8/1976. S. 8)
Bescheidenheit
„Gegen die großen Versprechungen in den Wahlprogrammen von SPD, CDU/CSU und FDP stellt die DKP ihre Losung: »Frieden, Freiheit, Sozialismus« … “
(aus: UZ, Zeitung der DKP, vom 4. Juni 1976)
A dabei!
„… während die Volksmassen einmal in mehreren Jahren entscheiden dürfen, welches Mitglied der herrschenden Klasse das Volk im Parlament niederhalten und zertreten soll.“
„Auch unsere Partei, die KPD, steht in diesem Jahr am 3.10. erstmals für den Bundestag zur Wahl.“
(aus: Dem Volke dienen. Organ des KSV Nr. 6/1976, S. 3)
Arbeiterkampf
„Anschließend handelte sich L.P. (Ortssekretär des KBW) noch zwei Ohrfeigen von einem Genossen ein, als er diesen als »schwulen Typen« bezeichnete. Von der Freundin des Genossen bekam L.P. gleich noch eins an die Backe.“
(aus: Arbeiterkampf. Organ des KB Nord Nr. 86/1976, S. 48)
Versäumnisse
„Hamburgs Tierschutzverein läuft Sturm gegen ein pornographisches Kabarett … Dort soll vor Gästen eine Frau mit einem Esel den Geschlechtsverkehr ausführen … Es ist bezeichnend für diese perverse Gesellschaft, daß als erstes der Tierschutzverein gegen diese Schweinerei protestierte!“
(aus: Arbeiterkampf. Organ des KB Nord Nr. 86/1976, S. 10)
Dialektisches
„Die Studentenbewegung muß gegen den bürgerlichen Staat und von ihm einen Vertrag erkämpfen, deren Inhalt diese Forderung an den Staat ist.“
(aus: KHZ, Organ der Münchner KBW-Studenten, Nr. 3/1976)
Hier agitiert nur einer!
„Nach einer Mitteilung von Professor Dr. Schiefele haben Sie am 8.12.1976 zwischen 14.15 und etwa 14.45 Uhr diesen daran gehindert, im Hörsaal des Universitäts-Hauptgebäudes seine Vorlesung: »Grundlagen der Didaktik« abzuhalten, indem Sie zusammen mit Herrn (…) das Mikrophon besetzt hielten und für eigene Agitationen benützten.“
(aus einem Brief von Herrn Neufurth, ORR der Uni München vom 28.12. 1976 zur Begründung der Einleitung eines Ordnungsverfahrens gemäß Art. 76 ff. BayHschG)
Warum die DKP in Marburg Erfolg hatte
„Ernsthafte politische Argumente gegen die DKP hat die SPD nicht. Ich auch nicht. Deshalb wähle ich am 20. März DKP.“
(in: „Marburger Echo“, DKP-Zeitung vom 26. 2. 77)
BevöIkerungspolitik
„Für die Volksmassen steht fest: die sozialen Verhältnisse bestimmen die Zahl der Kinder.“
„Frau D. ist Mutter von neun Kindern. Als Arbeiterin verdient sie sehr wenig.“
(aus: Flugblatt des KBW-Komittees gegen den § 218 in Bielefeld)
