Auf den ersten Eindruck haben Sie den Eindruck: Lauter brave Leute. Hören Sie aber zu, entdecken Sie, dass sie nur von Ausrottung und Gaskammern träumen.
Thomas Bernhard (über die WienerInnen; ich würde behaupten, es gilt ebenso für den bundesdeutschen Raum)

(Quelle: pr0spects)

kaffee alt wien <3
On März 20, 2013 at 8:43pm

kaffee alt wien <3

(Quelle: alem83, via chaosilog)

Jeder will sie, kaum einer kriegt sie:
Gerechtigkeit – was ist das?

Dr. Rolf Röhrig, GegenStandpunkt
Mittwoch 20. 3. 2013 um 19:00
Universität Wien (Hauptgebäude) Hs 33, Universitätsring 1, 1010 Wien

Wo immer heutzutage eine Kritik vorgetragen wird, ergeht sie im Namen der Gerechtigkeit, die man vermisst. Nicht wenige Arbeitnehmer finden die exorbitanten Managergehälter ungerecht. Die meisten Manager halten diese Beschwerde für ungerecht, weil sie doch ausweislich des Firmengewinns die wahren Leistungsträger seien, die einfach verdienen, was sie verdienen. Alte Leute halten die Rentenkürzungen durch die Regierung für eine Ungerechtigkeit, weil sie sich um den Ertrag ihrer Lebensleistung und ihre Beitragszahlungen betrogen sehen. Das Gros der Jungen hält die Kürzungen für ein Gebot der Gerechtigkeit, weil sie mit immer größeren Abzügen von ihrem Einkommen für den Lebensabend der Alten zur sozialstaatlichen Kasse gebeten werden.

Wenn dann Beschwerdeführer, die sich in ihren Interessen geschädigt sehen, praktisch tätig werden und sich einmal zu einer Forderung verstehen, ergeht diese wieder im Namen der Gerechtigkeit, die es durchzusetzen gilt. Die Kleinen werden für die Bewältigung der Finanzkrise kräftig zur Kasse gebeten, die Großen kommen glimpflich davon – so sieht es die Initiative von gewerkschaftlichen und linken Vereinen, die für UmFAIRteilung demonstrieren und eine faire, also gerechte Verteilung der Lasten auf Arme und Reiche einfordern. Ein Vorteil wird schon gar nicht mehr angestrebt, stattdessen feilschen solche Vorstöße um das rechte Maß des Schadens, den man hinzunehmen bereit ist. Gerechtigkeit scheint also höher zu stehen als die Befriedigung des Interesses selbst, wenn der eigene Schaden dadurch erträglich wird, dass die Belastung anderer ein Stück nach oben gefahren wird.

Es ist schon merkwürdig: Was für den einen gerecht, ist für den anderen ungerecht, und der Volksmund weiß, dass die Verwirklichung von Gerechtigkeit der Quadratur des Kreises gleichkommt: „Allen Menschen Recht getan, ist eine Kunst, die keiner kann.“ Alle wollen sie dasselbe, Gerechtigkeit, und doch liegen sie in einem unauflöslichen Streit darüber, worin der Inhalt der Gerechtigkeit besteht. Was macht Gerechtigkeit so flexibel, dass sie für alle, auch gegensätzliche Anliegen, als Legitimierung taugt? Und was macht sie so attraktiv, wenn doch alle nur im Streit darüber liegen, was gerecht sei?

So viel sei vorweg genommen: Man sollte seine Energie nicht auf die Frage verschwenden, wie man zu einer Gerechtigkeit findet, die allen frommt. Gerechtigkeit selbst ist nämlich ein Fehler, ein äußerst schädlicher dazu, von dem man besser die Finger lässt.


GegenStandpunkt erhältlich:
Lhotzkys Literaturbuffet, Taborstraße 28 (Eing. Rotensterngasse), 1020 Wien
Bartalsky, Währingerstraße 26, 1090 Wien
Südwind, Schwarzspanierstraße 15, 1090 Wien
Frick, Schulerstraße 1-3, 1010 Wien
Rupertus, Dreifaltigkeitsgasse 12, 5020 Salzburg
Wagnersche, Museumstraße 4, 6020 Innsbruck
Wagnersche, bei Thalia, Landstraße 41, 4020 Linz

Vom 22. bis 24. Februar 2013 findet der “Solidarische Ökonomie Kongress 2013” in Wien auf der Universität für Bodenkultur, Peter Jordan Str. 82, 1190 Wien statt.

Gegenargumente beteiligen sich daran mit folgenden Veranstaltungen:


 Freitag, 22. Februar 18:00 Uhr:

“Das bedingungslose Grundeinkommen - Ein Rezept gegen die Übel des Kapitalismus?”


Samstag, 23. Februar 16:00Uhr:

“Falsche und richtige Lehren aus der Finanz- und Staatsschuldenkrise”

Die Finanzkrise, die Rettungspakete der Staaten und die drauf folgende Staatsschuldenkrise waren und sind einerseits ein Crash-Kurse in Sachen Kapitalismus.

Mit den Rettungspaketen haben die Staaten zu Protokoll gegeben, dass das ganze Leben einer Nation dem zu dienen hat und abhängig ist davon, dass sich in ihr das Geld vermehrt. Zentralinstanz dieser Geldvermehrung ist der Finanzsektor. Wenn die Geldvermehrungsmaschinerie des Finanzsektors nicht funktioniert, steht das gesamte ökonomische Leben der Nation auf dem Spiel – deswegen sind die Rettungspakete bzw. die dafür gemachten Schulden unabdingbar. Jetzt, wo sich die Finanzkrise zu einer Staatsschuldenkrise ausgewachsen hat, lernt die Menschheit die Verarmung nicht nur als eingetretene kennen, sie kommt als Anforderung daher, als groß angelegte politische Strategie. Die Staaten übertrumpfen sich darin, wer sein Volk ärmer machen und mehr Leistung aus ihm herauspressen kann.

Während die Bevölkerung auf dieses Verarmungsprogramm von Politik und Medien mit Argumenten wie

  • Die Maßnahmen sind alternativlos!
  • Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt! Usw.

eingeschworen wird, hält die Protestbewegung, die es dagegen gibt – Occupy-Wall Street, die Empörten, bei uns die Plattform „Wege aus der Krise“, „Attac“  – unverdrossen daran fest, all das nicht als Auskunft über den Kapitalismus fassen, sondern beklagt die massenweise persönlichen Krisen als Resultat einer schlechten Verwaltung des Kapitalismus und fordert die Politik auf, endlich die Krise zu bewältigen durch:

 

  • eine gerechte Einkommens- und Vermögensverteilung,
  • eine Abkehr von der Deregulierung der Finanzmärkte (Abkehr vom Neoliberalismus)
  • Banken, die ihrer Aufgabe, der Realwirtschaft zu dienen, wieder nachkommen
  • eine Abkehr vom Prinzip profit over people

 Im Vortrag und der anschließenden Diskussion soll geklärt werden, was von den alternativen Krisenbewältigungsprogrammen zu halten ist, was man der Agitation von oben entnehmen kann und was man überhaupt aus der Krise und der Krisenpolitik der letzten Jahre über die Marktwirtschaft lernen kann.

 

On Februar 7, 2013 at 3:29pm

“Bei den Ausschreitungen des Pöbels rund um den
Akademikerball zeigten die dummdreiste Linke einmal mehr ihr wahres
Gesicht. Eine dumpf-brutale Geisteshaltung, das pervertierte
Demokratieverständnis sowie Respektlosigkeit und Gewalt gegenüber
Andersdenkenden - mit einem Wort links, sagt der Landesobmann des
RFJ-Wien Franz Lindenbauer.

Die Hofburg konnte wegen der Exzesse des linken Mobs nicht mehr
angefahren werden, Taxis wurden beschädigt, Ballgäste aus den Autos
gezerrt. So sieht für die Linken eine “friedliche Demonstration” also
aus. Wenn mit Holzlatten bewaffnete linke Schwachköpfe schreien “Wir
sind friedlich! Was seid ihr?”, dann ist das außer dumm nur dämlich.”

Donnerstag 31. 1. 2013 um 19:00 im Amerlinghaus, Stiftgasse 8, 1070 Wien

Während etliche Aufrufe gegen den WKR-Ball von der gerechten Sache felsenfest ausgehen und sich nur mehr der „Mobilisierung“ widmen, ohne die Bösigkeit der Burschen näher zu erläutern, versuchen sich andere an einer Begründung. (offensiv gegen rechts; Ums Ganze bzw. Autonome Antifa auf: http://antifaw.blogsport.de/2012/12/31/nowkr-13-den-wiener-akademikerball-unmoeglich-machen)

Die Vorwürfe kreisen um die Schlagworte „Rechtsextremismus“, „Rassismus“, „Faschismus“ und „Deutschnationalismus“, ergänzt um übertriebene „Männlichkeit“ und „Elitedenken“. Wie soll man denn das verstehen? Etwa so: Diese Burschen passen mit ihrem überkommenen Welt- und Gesellschaftsbild einfach nicht in „unsere“ heutige, demokratische, ausgesucht ausländer- und frauenfreundliche Umgebung, in der es eine „Elite“ fast nicht mehr gibt, was man auch daran erkennt, dass die sich intensiv um die „bildungsferne“ „Unterschicht“ kümmert?! Wirklich?

Bleibt die Geschichte mit dem „Faschismus“ bzw. „Antifaschismus“.

Die FPÖ fällt regelmäßig mit etwas abweichenden Äußerungen zur Vergangenheit auf. Anlässlich des „Internationalen Holocaust-Gedenktages“ am 27.1. beispielsweise melden sich SPÖ, ÖVP, Grüne etc. mit den üblichen Phrasen gegen das „Verharmlosen“ und das „Vergessen“ zu Wort. Die FPÖ tut das etwas anders: Dort sieht man sich bzw. den WKR-Ball als Opfer von „Hass und Intoleranz“ – solche Plattitüden gelten gemeinhin als irgendwie „antifaschistisch“ gemeinte Stellungnahmen, darauf versucht sich die FPÖ zu berufen – und dadurch das „Andenken an die Opfer des Nazi-Regimes“ „missbraucht“ (http://www.fpoe.at/news/detail/news/vilimsky-gruen-und-rot-nehmen/); ein Andenken, dessen Pflege bekanntlich ein Herzensbedürfnis freiheitlicher Gesinnung ist. Gegen die FPÖ insgesamt wird ab und an der Vorwurf erhoben, sie verweigere sich einem „antifaschistischen Grundkonsens“, auf dem die Republik Österreich angeblich basiert. Das stimmt auch, die FPÖ reklamiert „Antifaschismus“ in der Tat nicht für sich und hält nichts von einem derartigen „Grundkonsens“, der sei nicht „identitätsstiftend“ und tauche ohnehin „erst 1983“ in Österreich auf, so der dritte Nationalratspräsident und Burschenschafter Martin Graf, FPÖ. Ein früherer FPÖ-Generalsekretär hat ein ganzes Buch gegen den von ihm so genannten „Antifa-Komplex“ geschrieben.

Die Linken verwechseln diese rechte Distanz zu einem staats-offiziösen Pseudo-„Anti-Faschismus“ als Teil der Österreich-Inszenierung – was mit einer Kritik des Faschismus nichts zu tun hat und als „Erinnerungskultur“ oder als „Gedenkpolitik“ oder als „Aufarbeitung“ oder als „Vergangenheitsbewältigung“ viel besser charakterisiert ist – mit versuchter Wiederbetätigung und halten die Selbst-Feier dieser Burschen in einem repräsentativen Palast der Republik nicht aus. Nachdem – für viele Linke unverständlich – die Behörden nicht dagegen einschreiten, glauben sie das selbst erledigen zu müssen, und wundern sich auch noch, dass ihre intendierte Amtshilfe so gar nicht angenommen wird.

Montag, 19.11.2012, 19.00 
Universität Wien, Neues Institutsgebäude (NIG), Hs III,
Universitätsstr. 7, 1010 Wien

Referent: Dr. H. L. Fertl (Redakteur des GegenStandpunkt)

Die Rede von einem „Bürgerkrieg“, der in Syrien zwischen Parteigängern und Gegnern der herrschenden Baath-Partei und ihres Präsidenten ausgebrochen sei, will als Besonderheit des Gemetzels entdeckt haben, dass hier eine Regierung mit Waffengewalt gegen „ihr Volk“ zuschlage und die Aufständischen schon allein deswegen politisch und vor allem auch moralisch schwer im Recht wären. Diese von keinerlei Kenntnissen über die politisch und ökonomischen Verhältnisse in dieser arabischen Republik getrübte Parteilichkeit, die natürlich rein zufällig ziemlich deckungsgleich mit den Positionen der NATO-Regierungen und ihren Partnern unter den Monarchien & Emiraten im Nahen Osten ausfällt, lässt sich auch nicht durch die gelegentlich nachzulesenden historischen Informationen verunsichern, dass etwa Vater Assad durchaus mit Zustimmung der westlichen Staatengemeinde in früheren Jahren unter aufständischen Islamisten in seinem Land größere Opferzahlen anfallen ließ. Deswegen ist dem syrischen Regime von außen nie die Machtfrage gestellt und offen ein Regime-Change gefordert oder gar eine bewaffnete Opposition auf- und ausgerüstet worden. Im Gegenteil: Bush Senior gliederte Syrien in seine „Koalition der Willigen“ für den ersten Irak-Krieg ein, deutsche Außenminister – zuletzt Steinmeier – sprachen in Damaskus vor, und selbst im Dauerkonflikt zwischen Syrien und Israel wegen der Golan-Höhen ergriff der Westen nicht so umstandslos Partei wie im Fall des iranischen Kernenergieprogramms.

*

Diesmal jedoch scheint es der Regierung nicht zu gelingen, gestützt auf ihre Armee und Polizei und die Loyalität der Parteimitglieder, den Aufruhr zu brechen und Ruhe & Ordnung wieder herzustellen. Nicht nur für die Politiker in den freiwestlichen Staaten ist es sonnenklar, dass „uns“ die „Zukunft Syriens“ angeht; auch das hiesige Arbeits- & Wahlvolk engagiert sich und weiß offensichtlich problemlos Bescheid, wer die Guten dort sind und wo die Bösen sitzen: Zunächst in Assads Regierung – denn in deren Auftrag gibt es ja verwundete und tote „zivile Opfer“. Im Namen der „Opfer“ Partei zu ergreifen gegen das „Regime“ und für die „Freiheitskämpfer“ ist somit politisch korrekt. Jedoch intellektuell sehr unredlich: Denn wenn sich die Parteien, die um das Gewaltmonopol im syrischen Staate Krieg gegeneinander führen, in etwas nicht unterscheiden, dann darin, dass sie Leichen produzieren. Das liegt an der Natur der Sache, um die sie kämpfen: die Eroberung bzw. Beibehaltung der Staatsgewalt. Den einzig real existierenden Unterschied stiftet folglich die Durchschlagskraft ihrer Waffen – bislang jedenfalls. Der Verdacht liegt also nahe, dass es vielen offensiven Freunden und Förderern syrischer Witwen und Waisen letztlich darauf ankommt, für eine Wende im militärischen Kräfteverhältnis zu werben.

*

Neben den täglichen Horrormeldungen von den Frontabschnitten des innersyrischen Machtkampfes informieren die Medien auch ganz ungeniert über die äußeren Interessenten, die das Gemetzel anstacheln und ausrüsten. Man kann durchaus erfahren, welche großen und kleineren Staaten und militante NGOs da engagiert sind und es gibt auch Hinweise, welche Interessen und Absichten sie dabei verfolgen.

- Die USA und ihr waffenstarrender engster Verbündeter vor Ort, Israel, wollen schlicht und erklärtermaßen den Untergang von „Assads Syrien“, den Präsidenten also weg haben, tot oder lebendig. Er stört sie bei ihren Ordnungsvorstellungen für den Nahen Osten, unterstützt „Terroristen“ im Libanon und in Gaza, und, nicht zuletzt: er unterhält gute Beziehungen zum Iran, den man ja notfalls auch demnächst mit einem Krieg fertigmachen will.

- Saudi-Arabien und die Golfemirate finanzieren im großen Stil die bewaffnete Opposition gegen Assad, machen Propaganda über ihre Fernseh- und Radiosender und lassen sich von den USA zu einer arabischen Gegenmacht gegen den Iran auf- und ausbauen.

- Die Türkei, die ebenso Ambitionen auf eine regionale Großmachtposition verfolgt, bietet den Aufständischen auf ihrem Territorium ein Rückzugs- und Aufmarschgebiet – und nimmt die staatliche syrische Gegenwehr zum Anlass, selbst militärisch in den Konflikt einzugreifen.

- Russland will sich keinesfalls durch den Sturz Assads endgültig aus dieser Weltgegend ausmischen lassen und übt deshalb bedingt Loyalität zum traditionellen Bündnispartner.

- Und auch China weigert sich, das US-Monopol auf Weltordnung durch Zustimmung zu Sicherheitsratsbeschlüssen gegen Syrien zu ratifizieren.

*

So wird der demokratisch-mündige Bürger in der freien westlichen Welt mit kühlen strategischen und militärischen Kalkülen vertraut gemacht, für die das Blutvergießen in Syrien gut oder schädlich sein soll. Auf der Grundlage des feststehenden Feindbildes vom letzten Gefecht des Tyrannen Assad gegen das eigene Volk steht die Moral der Geschichte vorab fest: Es soll ausschließlich um den „Schutz der Zivilbevölkerung“ gehen, wenn die USA und ihre Bündnispartner unter Berufung auf die UNO-Satzung den Aufstand in Syrien und alle beteiligten auswärtigen Parteien unter ihre Oberhoheit stellen und in ihrem Sinne gegen das Baath-Regime zu Ende bringen. Dieser politisch korrekten Denkungsart zufolge, ist es dann natürlich umgekehrt eine „Schande“, wenn notorische Querulanten in der Staatenwelt des demokratischen Imperialismus wie Russland und China da anderer Ansicht sind und den Endsieg der Freiheit in Syrien blockieren wollen.

*

Wie gewohnt kann man von einer Diskussionsveranstaltung des GegenStandpunkt Verlags kein demonstratives Mitleid mit den Opfern, keine moralische Verurteilung von Schuldigen oder gar Solidarität mit einer Seite erwarten. Stattdessen eine Kritik der politischen Ökonomie Syriens unter der Herrschaft von Vater und Sohn Assad, Gründe und Anlässe für den bewaffneten Aufstand und nicht zuletzt eine Analyse des historischen Pechs aller Beteiligten vor Ort, zum Objekt welt-und regionalpolitischer mächtiger und abhängiger Interessen geworden zu sein.

Weitere Infos:
www.gegenargumente.at
http://doku.argudiss.de/
www.gegenstandpunkt.com

Demokratie: Als Idealismus keinem zu blöd.
On November 5, 2012 at 3:59pm

Demokratie: Als Idealismus keinem zu blöd.

Referent: Dr. Theo Wentzke

22. Oktober
19 : 30
Cafe Siebenstern
Siebensterng. 31
1070 Wien

Dass es beim Recht um Herrschen und Beherrscht-Werden geht, ist kaum zu übersehen. In keiner anderen Rolle tritt der Staat den Bürgern so offen als Gewalt gegenüber, wie wenn er Recht setzt und durchsetzt. Der Wille der politischen Macht, in gesetzesförmige Beschlüsse gegossen, ist für die Menschen in ihrem Machtbereich verbindlich und wird von bewaffneten Staatsorganen durchgesetzt; Zuwiderhandeln wird bestraft, in schlimmeren Fällen mit dem Entzug der Freiheit.

Das finden die meisten Mitbürger vernünftig und menschlich. Manche versteigen sich sogar zu der gewagten These, bei uns herrsche das Recht und nicht Gewalt. Das ist natürlich Unsinn; sie meinen nur, es herrsche nicht die gewalttätige Willkür eines einzelnen Führers oder Diktators und freuen sich darüber. Da haben sie ja auch Recht:

Die Gewalt des Rechts ist nicht zufällig und nicht unberechenbar; sie hat System und Regeln, so dass der Mensch weiß, was ihm erlaubt und was verboten ist. Aber ist eine berechenbare Herrschaft denn keine Herrschaft? Die bürgerlichen Menschen schätzen diese Herrschaft als einen nötigen und wohltätigen Zwang gegen ihre eigene Unvernunft: Die Gewalt des Rechts, so sehen sie es, sorge für die Gewaltlosigkeit der Gesellschaft, erzwinge den Frieden unter den Bürgern und regle Konflikte. Die Freunde des Rechts wären weniger begeistert, wenn sie wüssten, dass das Recht nur solche Konflikte regelt – übrigens nicht löst! –, die es selbst in die Welt setzt.

Aber das führt ja nur zurück zu der Frage: Was sind das für Verhältnisse der Menschen, die durch das Recht geregelt werden? Was herrscht denn nun, wenn das Recht herrscht?

(Quelle: gegenargumente.at)