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70 Jahre Oktoberrevolution und was man heute noch aus den Fehlern der KPdSU lernen kann.

Auf der MSZ-Ar­chiv­sei­te ms­z1974-80.net, auf der nach und nach bis­her noch nicht on­line zur Ver­fü­gung ste­hen­de alte Ar­ti­kel von der Mar­xis­ti­schen Grup­pe bzw. dem Ge­gen­Stand­punkt ver­öf­fent­licht wer­den, kann man jetzt zwei Ar­ti­kel aus den Ge­gen­Stand­punkt-Hef­ten aus dem Jahr 1992 zum da­ma­li­gen Rück­blick auf die Ent­wick­lung der Eu­ro­päi­schen Ge­mein­schaft ent­lang der Frage „Was ist „Eu­ro­pa“, was hat es vor?“ on­line lesen.

(Quelle: neoprene.blogsport.de)

cosmoproletarianresonance:

Recht eigentlich war die Bewältigung der faschistischen Vergangenheit in der BRD mit einem Schlage gelaufen (mag auch heute noch über dieses ünrühmliche Stück deutscher Geschichte geredet und diskutiert werden): Die USA statteten die BRD mit allen demokratischen Institutionen aus, mit Parlament, Regierung und Opposition und einer auf das Gemeinwohl verpflichteten Einheitsgewerkschaft. Damit war Demokratie und nicht mehr Faschismus. Entgegen dem späteren Märchen, das deutsche Volk habe sich schwer gewandelt und sich durch “Lernen” von Demokratie bzw. Umerziehung zur Demokratie zu der reifen Leistung emporgeschwungen, sich eine demokratische Verfassung zu geben und dann auch so zu leben, wurde das Volk 1. nicht gefragt und hatte 2. auch kein Problem damit: Es nahm zur Kenntnis, daß jetzt der Adenauer dran war. Dieser demokratische Führer buchstabierte völlig richtig Demokratie wie Herrschaftsform und legte deshalb auch an die im Potsdamer Abkommen geforderte “Denazifizierung” den Maßstab an, ob sie denn überhaupt opportun sei für das neue Staatswesen. Die Entnazifizierung wurde nur lässig betrieben und bald beendet, weil man sie für überflüssig hielt. Den Beamtenapparat, Gesetze und Institutionen; die man auch nicht besser hätte machen können, konnte man im neuen Staat gut gebrauchen und übernahm sie großenteils. Das zu untertäniger Botmäßigkeit faschistisch erzogene Volk, das genug damit zu tun hatte, leben zu können, war auch nicht schlecht für die Stabilität des jungen Staates. Große deutsch-nationale Töne konnte man eh nicht mehr spucken, dafür wurde dem Volk der Antikommunismus als nationale Ideologie verabreicht, für die der Antibolschewismus der Nazis alle Voraussetzungen mitgegeben hatte. Auch hier war also keine Umerziehung notwendig, nur gezielte Aktualisierung, Fixierung auf das unmenschliche Pankow-Regime und die machthungrigen Russen.

Aus: Die “Deutsche Fragen” und ihre Lösung, MSZ 1983
On Mai 3, 2012 at 10:26am

cosmoproletarianresonance:

Recht eigentlich war die Bewältigung der faschistischen Vergangenheit in der BRD mit einem Schlage gelaufen (mag auch heute noch über dieses ünrühmliche Stück deutscher Geschichte geredet und diskutiert werden): Die USA statteten die BRD mit allen demokratischen Institutionen aus, mit Parlament, Regierung und Opposition und einer auf das Gemeinwohl verpflichteten Einheitsgewerkschaft. Damit war Demokratie und nicht mehr Faschismus. Entgegen dem späteren Märchen, das deutsche Volk habe sich schwer gewandelt und sich durch “Lernen” von Demokratie bzw. Umerziehung zur Demokratie zu der reifen Leistung emporgeschwungen, sich eine demokratische Verfassung zu geben und dann auch so zu leben, wurde das Volk 1. nicht gefragt und hatte 2. auch kein Problem damit: Es nahm zur Kenntnis, daß jetzt der Adenauer dran war. Dieser demokratische Führer buchstabierte völlig richtig Demokratie wie Herrschaftsform und legte deshalb auch an die im Potsdamer Abkommen geforderte “Denazifizierung” den Maßstab an, ob sie denn überhaupt opportun sei für das neue Staatswesen. Die Entnazifizierung wurde nur lässig betrieben und bald beendet, weil man sie für überflüssig hielt. Den Beamtenapparat, Gesetze und Institutionen; die man auch nicht besser hätte machen können, konnte man im neuen Staat gut gebrauchen und übernahm sie großenteils. Das zu untertäniger Botmäßigkeit faschistisch erzogene Volk, das genug damit zu tun hatte, leben zu können, war auch nicht schlecht für die Stabilität des jungen Staates. Große deutsch-nationale Töne konnte man eh nicht mehr spucken, dafür wurde dem Volk der Antikommunismus als nationale Ideologie verabreicht, für die der Antibolschewismus der Nazis alle Voraussetzungen mitgegeben hatte. Auch hier war also keine Umerziehung notwendig, nur gezielte Aktualisierung, Fixierung auf das unmenschliche Pankow-Regime und die machthungrigen Russen.

Aus: Die “Deutsche Fragen” und ihre Lösung, MSZ 1983

“Nie wieder Deutschland!” will eine radikale Absage an das Programm der  Wiedervereinigung der deutschen Nation und des damit verbundenen  deutscnen Nationalismus sein. Dem Anschluß der DDR an die BRD will das  Demo-Bündnis (so ziemlich die komplette westdeutsche Linke), das unter  dieser Parole am 12.5. in Frankfurt demonstriert, keine positiven  Perspektiven entnehmen, wie es z.B. die Grünen im Lande längst tun. So  weit, so gut. Bloß: Leider gerät das radikale Nein dieses Spektrums zu  einer ausgesprochen untauglichen Warnung vor den gefährlichen Folgen, die der Anschluß mit sich bringen könnte; zu einer absurden Beschwörung eines alten deutschen (Un-)Geists, der die Vergrößerung der Nation erst zu einer “Gefahr” mache; zu einem erlesenen Streit um die Berechtigung der Rechtfertigungstitel die einer Nation und insbesondere der deutschen gut zu Gesicht stünden; und schließlich sogar zu einer Parteinahme für den Status quo einer imperialistischen Weltordnung, die “Chancen” für eine friedlichere Entwicklung” böte, wäre da nicht die Wiedervereigung!”
- MSZ, Ausgabe 3, 1990
On November 9, 2011 at 11:08am

“Nie wieder Deutschland!” will eine radikale Absage an das Programm der Wiedervereinigung der deutschen Nation und des damit verbundenen deutscnen Nationalismus sein. Dem Anschluß der DDR an die BRD will das Demo-Bündnis (so ziemlich die komplette westdeutsche Linke), das unter dieser Parole am 12.5. in Frankfurt demonstriert, keine positiven Perspektiven entnehmen, wie es z.B. die Grünen im Lande längst tun. So weit, so gut. Bloß: Leider gerät das radikale Nein dieses Spektrums zu einer ausgesprochen untauglichen Warnung vor den gefährlichen Folgen, die der Anschluß mit sich bringen könnte; zu einer absurden Beschwörung eines alten deutschen (Un-)Geists, der die Vergrößerung der Nation erst zu einer “Gefahr” mache; zu einem erlesenen Streit um die Berechtigung der Rechtfertigungstitel die einer Nation und insbesondere der deutschen gut zu Gesicht stünden; und schließlich sogar zu einer Parteinahme für den Status quo einer imperialistischen Weltordnung, die “Chancen” für eine friedlichere Entwicklung” böte, wäre da nicht die Wiedervereigung!”

- MSZ, Ausgabe 3, 1990