70 Jahre Oktoberrevolution und was man heute noch aus den Fehlern der KPdSU lernen kann.
Täglich melden sich Menschenfreunde zu Wort - mit dem überzeugenden Argument ihrer amtlichen, kirchlichen oder persönlichen Autorität im Rücken -, die zu Rücksichtnahme auf Alte, Ausländer, Krüppel, ledige Mütter und Aids-Kranke auffordern. Die Liste, die da zusammenkommt, haben die an ihre Vergeßlichkeit erinnerten Mitbürger merkwürdigerweise dauernd im Kopf: In den Figuren, die der Toleranz anheimgestellt werden, erkennen brave Deutsche alle die wieder, bei denen sie ein erlaubtes Recht auf herzliche Verachtung und grundsätzliche Mißbilligung haben. Der Personenkreis, der zum Prüfstein dafür erhoben wird, wie ernst wir es mit der menschlichen Qualität unserer Gesellschaft meinen, macht offenbar Erfahrungen, die mit Intoleranz nur matt umschrieben sind. Wo dagegen auch einmal das Wort fällt ‚Auch Türken sind Menschen’ und eine Spende abgeliefert wird, da sind Verachtung und gutes Gewissen eine innige Gemeinschaft eingegangen.
MSZ 1987 Ausgabe 10: Toleranz
Vortrag: Die Kritik der Toleranz
Toleranz
Aus dem MSZ-Archiv: http://msz1974-80.net/Sprueche.html
„Für wen wird die UZ gemacht? Für den Stahlarbeiter, der wissen will, wie die Bosse sich dumm und dämlich verdienen.“
(UZ-Eigenanzeige)
Kleider machen Leute
„Schließlich war die sektiererische Hysterie soweit vorangeschritten, daß ein 50jähriger Stahlarbeiter aus Bochum, Sympathisant unserer Partei, angegriffen wurde. Funktionäre der KPD/ML hatten aus der Tatsache, daß der Genosse zur Feier des 1. Mal seinen besten Anzug angezogen hatte, den Schluß gezogen, es könne sich nur um einen Polizeispitzel handeln.“
(aus: Rote Fahne, Nr. 18/1975 S. 3)
„Es ist schon eine Geschmacklosigkeit, … wenn eben diese Partei, die sich ,KPD‘ nennt … als WahIkandidaten … das Hasch-Kommune-Mitglied Nr. 1 Konzelmann vorsetzt … Jenen Typ, der noch vor wenigen Jahren … sein Nacktkonterfei bürgerlichen Zeitungen für DM verkaufte.“
(aus Roter Morgen Nr. 17/1975, Beilage zum 1. Mai)
Quo vadis MSB?
„Den richtigen Weg zeigten uns 200 Studenten, die spontan … einen Protestzug zum Rektorat durchführten und die Herren zur Rede stellten. Diesen Weg gilt es weiterzugehen – dazu gibt es keine Alternative!“
(MSB-Flugblatt zu einem Polizeieinsatz an der Uni München am 1.6. 75)
Gemeinheit
„Als wir ihnen durch unser entschlossenes und kämpferisches Auftreten entgegentraten, griffen sie uns von hinten an!“
(KSV-Flugblatt zu einem Polizeieinsatz an der Uni München am 1.6. 75)
Jeder für sich und Gott gegen alle
„Karl Marx entdeckte: Die Menschen müssen vor allen Dingen zuerst essen, trinken, wohnen und sich kleiden, ehe sie Wissenschaften, Kunst, Religion treiben können.“ „Und sein Gesetz ist so klar, daß sich ihm auf die Dauer niemand entziehen kann.“
„Sicher, der Einfluß der Herrschenden auf den Gang der Geschichte war nicht gering … Und ging etwas schief, so war da immer noch ein lieber Gott erdacht, auf den man alles schieben konnte.“
(aus: „UZchen, Kinderseite der UZ vom 12. 9. 1915)
Sozialistische Freizeitgestaltung?
„Im neuen Verbundfahrplan des MVV (Münchner Verkehrsverbund) ist eine Seite »Verkehrsverbindungen zu Erholungsgebieten in der Region«. Dort werden zwar alle großen Klöster mit bekanntem Gerstensaft angegeben, ein Hinweis auf das KZ Dachau fehlt.“
(aus: Offensiv, Zeitung des SHB München, Nr. 13/1915/ S. 6)
Was lang gerecht, wird endlich wahr!
„Die Arbeiterklasse muß für ihre berechtigten Forderungen langfristig kämpfen. So wurde auch der 8-Stunden-Tag nicht von heute auf morgen eingeführt und manche Forderungen sind bis heute nicht erfüllt worden, so z. B. der Sozialismus.“
(Ein Sprecher des MSB Spartakus auf einer „Studentenschaftsvollversammlung“ an der Uni München am 25. 11. 1975.)
Die DKP und das Wort
„Deshalb sind mehr als nur Worte notwendig.“
„Antifaschistischer Widerstand und Solidarität werden umso wirksamer, je entschiedener sich die Arbeiterschaft zu Wort meldet.“
(aus: Flugblatt des DKP-Bezirksvorstandes Hessen, Oktober 1975)
Eine kühne Utopie
„Die Diktatur des Proletariats ist die Selbstverwaltung der Arbeitslosenversicherung durch die Arbeiterklasse.“
(KBM-Sprecher auf dem Krisen-Teach-In in der MG Würzburg. Dezember 1975)
Finger aus dem proletarischen Kochtopf!
„Das war letztes Jahr noch ein … wohlschmeckend nahrhaftes Essen … Nun, da die Kartoffel bei fünf Pfund über drei Mark kosten … essen wir das nur noch sonntags. An diesem Beispiel kann man leicht erkennen, wie die Kapitalistenklasse den Werktätigen bis in den Kochtopf packt, wie sie außerdem verhindert, daß wir traditionelle Gerichte essen können. Sie werden sich ihre gierigen Finger aber schon verbrennen, weil bei uns nämlich auf Feuer gekocht wird.“
(aus: Roter Morgen Nr. 8/1976. S. 8)
Bescheidenheit
„Gegen die großen Versprechungen in den Wahlprogrammen von SPD, CDU/CSU und FDP stellt die DKP ihre Losung: »Frieden, Freiheit, Sozialismus« … “
(aus: UZ, Zeitung der DKP, vom 4. Juni 1976)
A dabei!
„… während die Volksmassen einmal in mehreren Jahren entscheiden dürfen, welches Mitglied der herrschenden Klasse das Volk im Parlament niederhalten und zertreten soll.“
„Auch unsere Partei, die KPD, steht in diesem Jahr am 3.10. erstmals für den Bundestag zur Wahl.“
(aus: Dem Volke dienen. Organ des KSV Nr. 6/1976, S. 3)
Arbeiterkampf
„Anschließend handelte sich L.P. (Ortssekretär des KBW) noch zwei Ohrfeigen von einem Genossen ein, als er diesen als »schwulen Typen« bezeichnete. Von der Freundin des Genossen bekam L.P. gleich noch eins an die Backe.“
(aus: Arbeiterkampf. Organ des KB Nord Nr. 86/1976, S. 48)
Versäumnisse
„Hamburgs Tierschutzverein läuft Sturm gegen ein pornographisches Kabarett … Dort soll vor Gästen eine Frau mit einem Esel den Geschlechtsverkehr ausführen … Es ist bezeichnend für diese perverse Gesellschaft, daß als erstes der Tierschutzverein gegen diese Schweinerei protestierte!“
(aus: Arbeiterkampf. Organ des KB Nord Nr. 86/1976, S. 10)
Dialektisches
„Die Studentenbewegung muß gegen den bürgerlichen Staat und von ihm einen Vertrag erkämpfen, deren Inhalt diese Forderung an den Staat ist.“
(aus: KHZ, Organ der Münchner KBW-Studenten, Nr. 3/1976)
Hier agitiert nur einer!
„Nach einer Mitteilung von Professor Dr. Schiefele haben Sie am 8.12.1976 zwischen 14.15 und etwa 14.45 Uhr diesen daran gehindert, im Hörsaal des Universitäts-Hauptgebäudes seine Vorlesung: »Grundlagen der Didaktik« abzuhalten, indem Sie zusammen mit Herrn (…) das Mikrophon besetzt hielten und für eigene Agitationen benützten.“
(aus einem Brief von Herrn Neufurth, ORR der Uni München vom 28.12. 1976 zur Begründung der Einleitung eines Ordnungsverfahrens gemäß Art. 76 ff. BayHschG)
Warum die DKP in Marburg Erfolg hatte
„Ernsthafte politische Argumente gegen die DKP hat die SPD nicht. Ich auch nicht. Deshalb wähle ich am 20. März DKP.“
(in: „Marburger Echo“, DKP-Zeitung vom 26. 2. 77)
BevöIkerungspolitik
„Für die Volksmassen steht fest: die sozialen Verhältnisse bestimmen die Zahl der Kinder.“
„Frau D. ist Mutter von neun Kindern. Als Arbeiterin verdient sie sehr wenig.“
(aus: Flugblatt des KBW-Komittees gegen den § 218 in Bielefeld)
Sprüche und Widersprüche
Auf der MSZ-Archivseite msz1974-80.net, auf der nach und nach bisher noch nicht online zur Verfügung stehende alte Artikel von der Marxistischen Gruppe bzw. dem GegenStandpunkt veröffentlicht werden, kann man jetzt zwei Artikel aus den GegenStandpunkt-Heften aus dem Jahr 1992 zum damaligen Rückblick auf die Entwicklung der Europäischen Gemeinschaft entlang der Frage „Was ist „Europa“, was hat es vor?“ online lesen.
(Quelle: neoprene.blogsport.de)
Rückblick auf „35 Jahre EG“ (GSP 1992)
Die Proleten sind weg, an ihre Stelle sind die Arbeitnehmer getreten. Statt der Kapitalisten von einst sind heute Arbeitgeber unterwegs. Aus beiden Abteilungen einer überholten Gesellschaftsordnung sind Bürger geworden, deren Beziehungen nicht mehr durch Gegensätze vergiftet sind - vor dem Gesetz ein und desselben Staates sind sie gleich. Übrig geblieben sind ein paar unübersehbare Unterschiede; sie beleben die Diskussionen über soziale Gerechtigkeit. So wird die Verantwortung, die jeder in seinem Stand zu tragen hat, stets rechtzeitig bekannt gemacht. Auch den Bauern, die jetzt Landwirte sind.
Einiges hat sich also verändert. Erstens die Namen, zweitens die staatliche Beaufsichtigung der Klassen, drittens das Klassenbewußtsein. Sonst freilich nichts.
proletarierin: Sonst freilich nichts.
Zweck des Fußballs sind die erzielten Tore.
Recht eigentlich war die Bewältigung der faschistischen Vergangenheit in der BRD mit einem Schlage gelaufen (mag auch heute noch über dieses ünrühmliche Stück deutscher Geschichte geredet und diskutiert werden): Die USA statteten die BRD mit allen demokratischen Institutionen aus, mit Parlament, Regierung und Opposition und einer auf das Gemeinwohl verpflichteten Einheitsgewerkschaft. Damit war Demokratie und nicht mehr Faschismus. Entgegen dem späteren Märchen, das deutsche Volk habe sich schwer gewandelt und sich durch “Lernen” von Demokratie bzw. Umerziehung zur Demokratie zu der reifen Leistung emporgeschwungen, sich eine demokratische Verfassung zu geben und dann auch so zu leben, wurde das Volk 1. nicht gefragt und hatte 2. auch kein Problem damit: Es nahm zur Kenntnis, daß jetzt der Adenauer dran war. Dieser demokratische Führer buchstabierte völlig richtig Demokratie wie Herrschaftsform und legte deshalb auch an die im Potsdamer Abkommen geforderte “Denazifizierung” den Maßstab an, ob sie denn überhaupt opportun sei für das neue Staatswesen. Die Entnazifizierung wurde nur lässig betrieben und bald beendet, weil man sie für überflüssig hielt. Den Beamtenapparat, Gesetze und Institutionen; die man auch nicht besser hätte machen können, konnte man im neuen Staat gut gebrauchen und übernahm sie großenteils. Das zu untertäniger Botmäßigkeit faschistisch erzogene Volk, das genug damit zu tun hatte, leben zu können, war auch nicht schlecht für die Stabilität des jungen Staates. Große deutsch-nationale Töne konnte man eh nicht mehr spucken, dafür wurde dem Volk der Antikommunismus als nationale Ideologie verabreicht, für die der Antibolschewismus der Nazis alle Voraussetzungen mitgegeben hatte. Auch hier war also keine Umerziehung notwendig, nur gezielte Aktualisierung, Fixierung auf das unmenschliche Pankow-Regime und die machthungrigen Russen.
Aus: Die “Deutsche Fragen” und ihre Lösung, MSZ 1983
Der Verfassungsschutz weiß wie immer Antwort: http://www.gegenstandpunkt.com/msz/html/91/91_4/psyterr.htm
„Anhaltspunkte für eine mögliche beginnende Einbindung in die MG können sein:
– das Auftauchen der einschlägigen MG-Publikationen,
– Kommentare zu politischen Tagesereignissen mit zynischer Bewertung und in einer bisher nicht gezeigten, belehrend und künstlich intellektualisiert wirkenden Sprache,
– Unwille, auf fremde Argumente einzugehen,
– dogmatisches Beharren auf dem eigenen Standpunkt,
– affektive Gleichgültigkeit gegenüber Ereignissen im familiären und sozialen Umfeld,
– scheinbar unerklärliche Vernachlässigung oder Abbruch bisheriger Sozialkontakte, Auftreten eines neuen Freundeskreises,
– Streßsymptome, ständiger Zeitmangel, verursacht durch regelmäßige ‚Termine‘, über die keine oder nur wenig glaubhafte Erklärungen abgegeben werden,
– Einstellung bisher ausgeübter Freizeitaktivitäten und Hobbies, sofern diese zeitaufwendig waren,
– scheinbar unmotivierter Wohnungswechsel,
– scheinbar unmotivierter Studienortwechsel,
- verminderte Zugänglichkeit, Neigung zu Mißtrauen und verstärkte Absonderung aus der bisher gewohnten Umgebung.“
“Nie wieder Deutschland!” will eine radikale Absage an das Programm der Wiedervereinigung der deutschen Nation und des damit verbundenen deutscnen Nationalismus sein. Dem Anschluß der DDR an die BRD will das Demo-Bündnis (so ziemlich die komplette westdeutsche Linke), das unter dieser Parole am 12.5. in Frankfurt demonstriert, keine positiven Perspektiven entnehmen, wie es z.B. die Grünen im Lande längst tun. So weit, so gut. Bloß: Leider gerät das radikale Nein dieses Spektrums zu einer ausgesprochen untauglichen Warnung vor den gefährlichen Folgen, die der Anschluß mit sich bringen könnte; zu einer absurden Beschwörung eines alten deutschen (Un-)Geists, der die Vergrößerung der Nation erst zu einer “Gefahr” mache; zu einem erlesenen Streit um die Berechtigung der Rechtfertigungstitel die einer Nation und insbesondere der deutschen gut zu Gesicht stünden; und schließlich sogar zu einer Parteinahme für den Status quo einer imperialistischen Weltordnung, die “Chancen” für eine friedlichere Entwicklung” böte, wäre da nicht die Wiedervereigung!”
Die letzte MSZ 4/1991 mit der Auflösungserklärung der MG (Als Text) und als OCR-Scan
8.
Leckt uns am Arsch.



